tovejansson_fairplay

Ich bin ja immer sehr neugierig. Wenn KundInnen ihre Bestellungen abholen, schau ich sie mir ungeniert an und überfliege den Rückentext. (Könnte das vielleicht der Grund sein, warum Shades of Grey bei uns im Regal verstaubt? Hm…) Im Idealfall ergibt sich dann ein Gespräch, in dem sie mir erzählen, warum sie dieses Buch lesen oder herschenken wollen. So war es auch bei diesem Buch.

Tove Jansson hat die Mumins erfunden, und ihre Geschichten aufgeschrieben und gezeichnet. Eigentlich ist es nicht sehr erstaunlich, dass sie auch „Erwachsenenbücher“ geschrieben hat, aber es hat diese Kundin gebraucht, um mich mit der Nase drauf zu stoßen. Die Kundin ist eine wilde und gscheite Frau, und nachdem sie ein paar Tage später gleich das nächste Buch von Tove Jansson bestellt hat, war’s für mich klar, dass das Buch etwas für mich ist.

Das schmale Bändchen besteht aus vielen kurzen Geschichten, die nur insofern zusammenhängen, als sie das Zusammenleben zweier Künstlerinnen beschreiben. Mari und Jonna bewohnen zwei Mansardenwohnungen, durch einen Dachboden verbunden. Sie verbringen den Sommer auf einer wasserlosen Schäreninsel, reisen durch Amerika, schauen Western und bauen Bücherregale.

Aber eigentlich geht es um Fair Play: Das künstlerische Schaffen der anderen zu respektieren und zu fördern. So zusammen zu leben, dass jede ihren Raum hat. Ist es auch eine Liebesgeschichte? Das bleibt offen. Jedenfalls ist es eine Lebensgemeinschaft, die es beiden ermöglicht, das einsame Dasein als Künstlerin ohne Familie zu meistern. Ideen wie Gemeinschaft, Rücksicht, Treue werden nicht beschrieben, sondern gezeigt. Auch wenn einem dabei teilweise das Herz stehen bleibt, weil Jansson vor allem auch das komplizierte Ringen und Austarieren beschreibt, das die Verwirklichung dieser Ideen voraussetzt.

Tove Jansson schreibt wie eine Illustratorin. Sie schildert keine inneren Zustände der Figuren, sie beschreibt, was sie tun und sagen, höchstens wie sie dreinblicken. Das wirkt karg und spröde, und schafft eine Atmosphäre der Zurückhaltung. Der vorsichtige, behutsame Umgang Maris mit der wesentlich temperamentvolleren Jonna wirkt manchmal wie eine Art Unterlegenheit oder Aufopferung. Aber nicht nur die letzte Geschichte zeigt, dass das Verhältnis der beiden reziprok ist. Fair Play eben.

Tove Jansson: Fair Play. Stuttgart: Urachhaus 2014.

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