Deborah Levy erzählt eindringlich, klar, ohne Umwege. Sie entwirft in wenigen Sätzen Gefühls- und Lebenswelten. Ihre Figuren bewegen sich zwischen Dublin, London, Wien, Zürich durch ganz Europa, und ihr Liebesleben sieht entsprechend fluid und zerrüttet aus. Die Flucht in die Nähe und die Flucht vor der Nähe. Die Versachlichung von Liebe und Sex, die sich darin zeigt, sich nach dem Stündchen mit der Affäre in Badeanzug und Bademantel zu werfen und zu sagen: Ich gehe jetzt schwimmen. Das „Du darfst jetzt gehen“ wird impliziert und vom Gegenüber verstanden.

Von den Kurzgeschichtenbänden, die ich in letzter Zeit gelesen habe, war das definitiv der eindrucksvollste. Hat mich berührt, und ich hab sehr viele Eselsohren gemacht bei (Ab)Sätzen, die ich mir merken will. Rausschreiben, vergrößern, an die Wand werfen. In Kreuzstich ausführen und in die Küche hängen. Auf Postkarten drucken und verteilen… oder eben posten:

Kissing you is like new paint and old pain. It is like coffee and car alarms and a dim stairway and a stain and it’s like smoke.

Nicht nur, aber speziell für Leute mit wenig Zeit und Bedürfnis nach Tiefe.

Deborah Levy: Black Vodka. Erzählungen. Aus dem Englischen von Barbara Schaden. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2014. 128 Seiten, € 16,90.

Coverabbildung (c) Verlag Klaus Wagenbach

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