Auf dieses Buch habe ich mich wahnsinnig gefreut, weil ich Kennedys Romane sehr gerne gelesen hab. Also bin ich froh, zum Beispiel, und Gleißendes Glück. Sehr besondere Liebesgeschichten erzählt sie in diesen Büchern, und ich war jedes Mal gefesselt und berückt. Die Kurzgeschichten find ich schön, aber leider nicht ganz so super. Auch hier geht es um besondere, merkwürdige Liebesgeschichten.  Einige davon haben leider etwas Schematisches – die Leserin wird lange im Unklaren gelassen, was die Figuren umtreibt, denen sie bei Handlungen und Gedanken folgt, die oft sehr schwer einordenbar sind – oft erst im letzten Satz wird aufgelöst, was zu diesen Gefühlslagen geführt hat.

Aber in der ersten Geschichte, die schon fast als Novelle zu bezeichnen ist, zeigt Kennedy wieder ihre Kunst, sehr verquere Gefühlslagen darzustellen und uns in den Kopf eines Mannes zu versetzen, der letztlich ob seiner Feigheit nicht sehr sympathisch wirkt, aber dessen gescheiterter Ausbruch aus Ehe und gewohnheitsmäßiger Untreue nachvollziehbar wird. Ein junges, verletzbares Mädchen bleibt als casualty am Straßenrand zurück. Solche Dinge passieren eben. Oder?

A. L. Kennedy: Der letzte Schrei.

Erzählungen. Aus dem Englischen von Ingo Herzke.

Verlag Carl Hanser, München 2015. 203 Seiten, 19,90 Euro.

Coverabbildung (c) Verlag Carl Hanser

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