Takis Würger hat sich mit mir bekannt gemacht über Instagram. Das hat er gut gemacht, denn ich hab gleich zum Rezensionsexemplar gegriffen, als es in der Buchhandlung erschien. Ich könnte hier jetzt etwas über ihn schreiben, seinen Charme, seine sorgfältige Social Media-Arbeit, sein Spiel mit biographischen Details, die sich auch im Buch wiederfinden (Der Protagonist, Hans, ist Deutscher, geht nach Harvard, boxt und wird Mitglied in einem elitären Club. Dann Krimi-Handlung, Liebesgeschichte, Missbrauchsdrama.) Aber ich will ja über das Buch schreiben. Ich habs schnell gelesen, fands schön geschrieben, elegant und emotional tief, dazu spannend, knapp, flüssig.

Meine persönliche Theorie dazu: Ein Buch, das eine männliche Verpackung (Cover!) hat, männliche Themen, und dann würgt (sorry) es den Lesern (sic) eine Story rein, die möglicherweise nicht so viele gelesen hätten – wie sich halt Vergewaltigung so anfühlen kann für beide Seiten. Nämlich sehr unterschiedlich. Deshalb ist es ein wichtiges Buch, ich würde es fast als Klassenlektüre empfehlen, mit Themen, die Jungs faszinieren: Ein einsamer männlicher Protagonist, schwierige Adoleszenz ohne Bezugspersonen, sich am Boxen aufrichten, Einladung auf eine Eliteuni, ein geheimnisvolles Verbrechen, das es aufzuklären gilt. Tolle Köder also, um in einen Roman zu locken, der ein Musterbeispiel für Perspektivenwechsel bietet.

Ein Buch über die Liebe sei es, meint Takis. Aber die Auswüchse der sogenannten College Rape Culture, die durch die Medien geistern, sind ein sehr ernstzunehmender Hintergrund für die Handlung, und ich fände es wirklich gut, wenn viele (junge) Menschen dieses Buch lesen.

Ein kleiner logischer Fehler hat sich bei der Lösung des Falls eingeschlichen, den ich als alte Sherlock Holmes-Tante sofort entdeckt habe. Es wurde zwar ein umfassendes Geheimhaltungsabkommen abgeschlossen – aber wer ihn entdeckt, soll sich bei mir melden 😛

Fazit: Ein Rape & Revenge-Roman, mit Gefühl und Spannung, ohne die Exploitation. Und Lust auf Boxen hab ich jetzt auch.

Takis Würger: Der Club. Kein & Aber 2017. 238 Seiten, ca. € 22.-

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