Stefano Mancuso: Die Intelligenz der Pflanzen

Gerade habe ich gelesen, dass die Eiche, die Macron und Trump gemeinsam vor dem Weißen Haus gepflanzt haben, gestorben ist. Wie passend.  „Die Intelligenz der Pflanzen“ mit einem #blumencover am #tagdesgartens – ich nehme mal wieder einen neuen Anlauf, dieses wunderschön ausgestattete und hochinteressante Buch weiterzulesen.
Stefano Mancuso und Alessandra Viola beschreiben neuere Erkenntnisse der Biologie. Pflanzen wurden lange als „niedere“ Lebewesen angesehen. Sie verfügen jedoch über ein großes Repertoire an Sinnen, mit denen sie ihre Umwelt analysieren und auf sie reagieren können – etwa auf Fressfeinde, Schwerkraft und elektromagnetische Felder. Ihre Wurzeln bilden kommunizierende Netzwerke, von denen wir uns Einiges abschauen könnten.
Immerhin hat die Schweiz als erstes Land die Würde der Pflanzen gesetzlich geschützt.
Kein Wunder, dass die Eiche eingegangen ist.

Stefano Mancuso und Alessandra Viola: Die Intelligenz der Pflanzen. Übersetzt von Christine Ammann. Verlag Antje Kunstmann, 2015. ISBN: 978-3-95614-030-3, 188 Seiten, ca. € 20,-

sina tahayori: orientExtrem

sina tahayori orientExtrem edition exil erzählungen

Geschichten vom äußeren Rand der Gesellschaft verspricht der Klappentext. Bereits 2011 in der Edition Exil erschienen, enthält der Band neun Erzählungen. Der Großteil davon ist in Wien angesiedelt, und so ergeben sich nette Aha-Erlebnisse, wenn bekannte oder Lieblingsorte darin auftauchen. Der „Rand“ stellt sich so dar, dass es um zweifach marginalisierte Personen geht – Queere Immigranten. Kurze Liebesfreud und langes Liebesleid sowie der tägliche Existenzkampf sind bestimmende Themen. Der Autor ist selbst im Alter von 17 Jahren aus dem Iran nach Wien gekommen. Er schreibt in einem betont lockeren Ton und lässt dabei Unglück durchblicken. Die letzte Erzählung hat die Form eines Märchens, das in einem politisch geschüttelten Königreich spielt, in dem es für den Erzähler nicht viel zu gewinnen gibt. Intrigen, Morde, Putsch, Liebe, Zwangsheirat, Wahnsinn, Gefängnis – durchzogen von ironischem Humor.

Ungeschliffene Perlen. Für die Entdeckung eben solcher empfehle ich die Kritischen Literaturtage in Wien.

sina tahayori: orientExtrem. edition Exil 2011. ISBN: 978-3-901899-50-8, 91 seiten, € 12,-

Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste

Es gibt sehnlich erwartete Bücher, die schon auf den ersten Seiten enttäuschen. Es gibt Bücher, die, zufällig in die Hand genommen, zu einem großen Lebensschatz werden. Und dann gibt es ganz selten Bücher, die einen reicher beschenken, als man erhofft hat. Weiterlesen

David Garnett: Dame zu Fuchs

Eine Frau verwandelt sich bei einem Waldspaziergang in einen Fuchs. David Garnett beschreibt, wie sich die englische Dame, die zuerst nur äußerlich zum Tier geworden ist, Schritt für Schritt auch innerlich verwandelt. Weiterlesen

Daniel Galera: So enden wir

Der Mensch wäre nicht das erste Wesen, das aus einem Übermaß an evolutionären Vorteilen heraus seine eigene Auslöschung herbeiführte. Nicht mal darin waren wir etwas Besonderes.

Wow. Da liest du ein Buch mit einem schönen Cover an, und plötzlich bist du mitten in deiner eigenen Vergangenheit. Und kannst die halbe Nacht nicht schlafen, weil zuerst das Buch fertig gelesen werden muss, und es dich danach nicht zur Ruhe kommen lässt.

Aber mal langsam, und von vorne: Weiterlesen

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore I – Eine Idee erscheint

Ein Maler wird von seiner Frau verlassen, fährt ziellos einige Wochen durch die Gegend und lässt sich dann in einem einsamen Haus auf einem Berg nieder. Er gibt Malkurse, trifft Frauen, lernt einen sehr reichen Nachbarn kennen, und in der Nacht geschehen seltsame Dinge. Weiterlesen

Simone Hirth: Bananama

Eine Utopie, die in eine Dystopie kippt. Ein Mädchen mit Aussteigereltern, das sich hinausträumt aus dem Garten, der die Grenzen seiner Welt bildet. Aber selbst vom Aussteigen kann man aussteigen. Interessante Lektüre, ein wenig spooky, nicht zum Wohlfühlen, aber toll ausgeführt und sehr, sehr athmosphärisch.

Simone Hirth: Bananama. Kremayr & Scheriau 2018. ISBN: 978-3-218-01103-7190, 190 Seiten, € 19,90.

 

 

Nell Leyshon: Die Farbe von Milch

Cover Nell Leyshon Die Farbe von Milch Rezension

Dies ist mein Buch und ich schreibe es eigenhändig. (…) Ich bin nicht sehr groß und mein Haar hat die Farbe von Milch. Mein Name ist Mary und ich habe gelernt, ihn zu buchstabieren.

Dieses Buch hat mich umgehauen mit seiner Sprache, seiner Geschichte und den Ideen dahinter, und ein bisschen auch seiner hübschen Ausstattung.

Mary ist ein Bauernmädchen in England. Sie arbeitet hart, und sie schreibt einen Bericht über das, was ihr geschehen ist. Ihr Vater, der viele Töchter und keine Söhne hat, schickt sie in den Haushalt des Pfarrers, wo sie sich um seine kranke Frau kümmert. Als diese stirbt, wird sie gebeten zu bleiben. Der Pfarrer bringt ihr Lesen und Schreiben bei – doch das Ganze hat einen bitteren, schweren Preis. Weiterlesen

Rote Haare // grüne Kleider // schwarze Federn

Dies ist die Geschichte einer Frau, die im Heute Käse verkauft und in einem früheren Leben vielleicht eine irische Königin war. Es ist ein Buch über Frauen, denen Gewalt angetan wird, und die sich nicht direkt rächen können. Ein Geschichte darüber, Wege zu finden und zu verlieren. Weiterlesen

Alles über Beziehungen

Kann sein, dass du vor Kurzem ein sehr dickes, sehr bedrückendes Buch gelesen hast (so 960 Seiten, sexueller Missbrauch, lebenslanges Unglück). Und seither eine Lesekrise. Kann sein, dass du ein Buch nach dem anderen in die Hand nimmst, und nichts gefällt, nichts fesselt, nichts tröstet. Kann sein, dass du dann den neuen Roman von Doris Knecht in die Hand nimmst, einfach so, ohne große Erwartungen, weil du sie als Kolumnistin magst und ihre anderen Sachen halt auch liest. Dann kann es passieren, dass du das Buch in einem Tag liest, weil es flutscht und genau passt. Weiterlesen