Tim Krohn: Aus dem Leben einer Matratze bester Machart

Ein schmales, unauffälliges Bändchen. Das Coverbild im weißen Diogenes-Design eher naja, eine blaue Matratzenoberfläche mit Rosenmuster. So ein Stoffmuster, das einem beim Stöbern auf dem Flohmarkt auffällt wegen seiner Kuriosität, das man aber dann doch nicht nimmt, weil es einen Hauch zu daneben ist. Weiterlesen

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit. Oder warum eine Buchhändlerin Rezensionsexemplare liest.

Kleine Buchhandlung, Spätwintertag, gegen Abend. Die ruhige halbe Stunde, bevor kurz vor Ladenschluss die hektischen LetztminutenkundInnen hereinstürmen. Ein sympathischer, gutaussehender Mann tritt ein, und fragt nach dem neuen Buch, das gestern in der bekannten deutschen Literatursendung besprochen wurde, die ich natürlich nicht gesehen habe. Es wurde nicht nur rezensiert, sondern hymnisch gelobt, sagt er. Peinliches Suchen nach dem Buch, wir haben es nicht bestellt, da eine Kollegin dem Autor gewisse Ressentiments entgegenbringt. Weiterlesen

Glücklich, vielleicht von Katherine Heiny

Buch fertig gelesen. Wieder Kurzgeschichten (ich beginne hier ein Muster zu vermuten…). Wieder von einer Frau. Wieder super.

In Katherine Heinys Geschichtensammlung geht es hauptsächlich um Affären in allen möglichen Konstellationen. Maja zum Beispiel begleiten wir in mehreren Episoden durch ihre Verlobungszeit. Es scheint sich für sie einfach nicht auszuschließen, ihren Verlobten zu lieben und mit ihrem Chef zu schlafen. Weiterlesen

A.L. Kennedy – Der letzte Schrei

Auf dieses Buch habe ich mich wahnsinnig gefreut, weil ich Kennedys Romane sehr gerne gelesen hab. Also bin ich froh, zum Beispiel, und Gleißendes Glück. Sehr besondere Liebesgeschichten erzählt sie in diesen Büchern, und ich war jedes Mal gefesselt und berückt. Die Kurzgeschichten find ich schön, aber leider nicht ganz so super. Auch hier geht es um besondere, merkwürdige Liebesgeschichten.  Einige davon haben leider etwas Schematisches – die Leserin wird lange im Unklaren gelassen, was die Figuren umtreibt, denen sie bei Handlungen und Gedanken folgt, die oft sehr schwer einordenbar sind – oft erst im letzten Satz wird aufgelöst, was zu diesen Gefühlslagen geführt hat. Weiterlesen

Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe

Ein sehr hübscher kleiner Roman für einen gemütlichen Lesetag: In der Wohnung einer jungen Frau, Marie, häufen sich die Kühlschränke an, während ihr Liebesleben – äh – auftaut. Sie bekommt einen neuen Kühlschrank geliefert, und ab da beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Werkzeug, eine Servicehotline, ein TV-Sender und mehrere Liebhaber sind darin verwickelt. Weiterlesen

Hellwach durch die Nacht

Hellwach Hillary T. Smith Cover Rezension

Was passiert, wenn ein perfekt funktionierendes Mädchen sechs lange Sommerwochen auf sich allein gestellt ist, weil die Eltern eine Weltreise machen? Wird sie Tag und Nacht für den Klavierwettbewerb üben, die Azaleen gießen und rechtzeitig ins Bett gehen? Das hat Kiri jedenfalls vor. Aber dann kommt ein Anruf, der alles auf den Kopf stellt… Weiterlesen

Black Vodka für Alle!

Deborah Levy erzählt eindringlich, klar, ohne Umwege. Sie entwirft in wenigen Sätzen Gefühls- und Lebenswelten. Ihre Figuren bewegen sich zwischen Dublin, London, Wien, Zürich durch ganz Europa, und ihr Liebesleben sieht entsprechend fluid und zerrüttet aus. Die Flucht in die Nähe und die Flucht vor der Nähe. Die Versachlichung von Liebe und Sex, die sich darin zeigt, sich nach dem Stündchen mit der Affäre in Badeanzug und Bademantel zu werfen und zu sagen: Ich gehe jetzt schwimmen. Das „Du darfst jetzt gehen“ wird impliziert und vom Gegenüber verstanden.

Von den Kurzgeschichtenbänden, die ich in letzter Zeit gelesen habe, war das definitiv der eindrucksvollste. Hat mich berührt, und ich hab sehr viele Eselsohren gemacht bei (Ab)Sätzen, die ich mir merken will. Rausschreiben, vergrößern, an die Wand werfen. In Kreuzstich ausführen und in die Küche hängen. Auf Postkarten drucken und verteilen… oder eben posten:

Kissing you is like new paint and old pain. It is like coffee and car alarms and a dim stairway and a stain and it’s like smoke.

Nicht nur, aber speziell für Leute mit wenig Zeit und Bedürfnis nach Tiefe.

Deborah Levy: Black Vodka. Erzählungen. Aus dem Englischen von Barbara Schaden. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2014. 128 Seiten, € 16,90.

Coverabbildung (c) Verlag Klaus Wagenbach

Der Rund um die Uhr-Buchladen

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„All the secrets in the world worth knowing are hiding in plain sight.“

Wieder ein Buch über eine süße, verstaubte, alte Buchhandlung! Das denke ich mir beim Lesen des Titels und der ersten paar Seiten. Aber. Dann wird bald klar, dass es sich hier nicht um eine der derzeit massenhaft verlegten Titel über die Liebe zu kleinen feinen Buchhandungen ist. Ich muss vorausschicken, dass ich kleine, feine, verstaubte Buchhandlungen liebe. Aber die Bücher über sie sind oft bestenfalls nett, wenn nicht schematisch (Etwa so: Engagierte Person schafft es, eine kleine Buchhandlung vor dem Konkurs zu retten, dank idiosynkratischer, kreativer Einfälle und sagenhaft liebenswert verschrobener Helferlein und/oder Kundencommunity). Weiterlesen

Neugierig auf Mumin-Land

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Ich bin ja immer sehr neugierig. Wenn KundInnen ihre Bestellungen abholen, schau ich sie mir ungeniert an und überfliege den Rückentext. (Könnte das vielleicht der Grund sein, warum Shades of Grey bei uns im Regal verstaubt? Hm…) Im Idealfall ergibt sich dann ein Gespräch, in dem sie mir erzählen, warum sie dieses Buch lesen oder herschenken wollen. So war es auch bei diesem Buch.

Tove Jansson hat die Mumins erfunden, und ihre Geschichten aufgeschrieben und gezeichnet. Eigentlich ist es nicht sehr erstaunlich, dass sie auch „Erwachsenenbücher“ geschrieben hat, aber es hat diese Kundin gebraucht, um mich mit der Nase drauf zu stoßen. Die Kundin ist eine wilde und gscheite Frau, und nachdem sie ein paar Tage später gleich das nächste Buch von Tove Jansson bestellt hat, war’s für mich klar, dass das Buch etwas für mich ist.

Das schmale Bändchen besteht aus vielen kurzen Geschichten, die nur insofern zusammenhängen, als sie das Zusammenleben zweier Künstlerinnen beschreiben. Mari und Jonna bewohnen zwei Mansardenwohnungen, durch einen Dachboden verbunden. Sie verbringen den Sommer auf einer wasserlosen Schäreninsel, reisen durch Amerika, schauen Western und bauen Bücherregale.

Aber eigentlich geht es um Fair Play: Das künstlerische Schaffen der anderen zu respektieren und zu fördern. So zusammen zu leben, dass jede ihren Raum hat. Ist es auch eine Liebesgeschichte? Das bleibt offen. Jedenfalls ist es eine Lebensgemeinschaft, die es beiden ermöglicht, das einsame Dasein als Künstlerin ohne Familie zu meistern. Ideen wie Gemeinschaft, Rücksicht, Treue werden nicht beschrieben, sondern gezeigt. Auch wenn einem dabei teilweise das Herz stehen bleibt, weil Jansson vor allem auch das komplizierte Ringen und Austarieren beschreibt, das die Verwirklichung dieser Ideen voraussetzt.

Tove Jansson schreibt wie eine Illustratorin. Sie schildert keine inneren Zustände der Figuren, sie beschreibt, was sie tun und sagen, höchstens wie sie dreinblicken. Das wirkt karg und spröde, und schafft eine Atmosphäre der Zurückhaltung. Der vorsichtige, behutsame Umgang Maris mit der wesentlich temperamentvolleren Jonna wirkt manchmal wie eine Art Unterlegenheit oder Aufopferung. Aber nicht nur die letzte Geschichte zeigt, dass das Verhältnis der beiden reziprok ist. Fair Play eben.

Tove Jansson: Fair Play. Stuttgart: Urachhaus 2014.

Knospen und Sprossen

Großes Saisonopening am Balkon, ich genieß das Aufräumen, packe das Laub vom Winter und einen Teil der Abdeckungen in Säcke, stelle die Töpfe wieder an exponiertere Stellen, wo mehr Wind aber auch mehr Sonne ist, und versenke schon ein paar Zwiebeln und Samen für den Sommer in der Erde. Erstaunlicherweise blüht schon was in einem meiner „wilden“ Töpfe (die überlasse ich den Pflanzen, die sich von selber dort ansiedeln). Keine Ahnung, was das für ein Blümchen ist, aber ich freu mich drüber.

Erstes Blümchen


P1020952nochdreitulpenJeden Tag bin ich jetzt wieder draußen und inspiziere den Fortschritt der Knospen und Sprossen. Weiterlesen