Was einem bleibt – Jane Gardam: Letzte Freunde

Gestern habe ich den letzten Teil dieser Trilogie beendet, und ich bin von der Lektüre noch ganz verzaubert.

Der erste Teil, Ein untadeliger Mann, erzählt die Lebensgeschichte eines britischen Richters, Edward Feathers, der den Großteil seines Lebens in Fernost verbringt und exemplarisch für den britischen Gentleman steht. Auf großartige Weise entwirft Gardam hier die Stimmung des jeweiligen Lebensabschnitts: Weiterlesen

Geld oder Liebe – Cynthia D’Aprix Sweeney: Das Nest

Und wieder einmal ist es eine Mutter, die zwar nur in kleinen Szenen auftritt, aber alle Fäden in der Hand hält und an der Wurzel der Ereignisse sitzt. Eine mangelhafte Mutter, die ihre Kinder nicht genug lieben konnte. Den kleinen und großen Nachwirkungen davon spürt Cynthia D’Aprix Sweeney in ihrem Debütroman nach. Weiterlesen

Liebeslektüre, Liebeslektionen

Man liest ja viel über die Liebe im Lauf eines Leserinnenlebens. Romane über Romane, von Jane Austen bis Charlotte Roche, und Sachbücher über Sachbücher, von Erich Fromm bis Eva Illouz. Und jetzt gerade stell ich mir die Frage, aus welchem Genre ich eigentlich mehr mitnehme an Ideen und Einsichten – Eva Illouz hätte da eine gute Antwort darauf, aber das lassen wir jetzt vorläufig außer Acht. Weiterlesen

Die eine Seite, die andere Seite

Am Strand ein Mann und eine Frau. Sie blond und elegant in einem grünen Bikini, obwohl es Mai war in Maine und kalt. Er ein Hüne, strahlend und lebendig; in ihm flackerte ein Licht, das den Blick gefangen nahm und nicht mehr losließ. Sie hießen Lotto und Mathilde.

„Wie soll ich ein Buch verkaufen, das erst in der Mitte wirklich spannend wird?“ fragt mich ein Buchhändlerkollege. Naja, indem du sagst, wie es ist: Du brauchst den traumverlorenen, wunderbar rhythmisch erzählten ersten Teil der Geschichte, damit der zweite Teil wie ein Gewittersturm alle Gewissheiten hinwegfegt, die sich im ersten Teil in dir aufgebaut haben. Weiterlesen

Flachgelegt in sieben Stunden

Ich hab überlegt, ob ich zu diesem Buch überhaupt eine Rezension schreiben soll. Eigentlich, denk ich mir, lohnt sich das doch nur bei Büchern, die sehr gut sind, und die ich empfehlen will – oder bei solchen, die sehr viel diskutiert werden: Da möcht ich dann auch meinen Senf dazu geben. In dem Fall trifft beides nicht zu. Aber an dem Buch hat mich ziemlich viel irritiert, und das würde ich gern mit euch teilen. Weiterlesen

Wie dann alles doch noch gut ausgegangen ist, oder: Ein Buch zu Ende lesen

OK, es war ein bisschen böse, was ich da auf Instagram gepostet hab. Aber nach der Lektüre der ersten hundert Seiten hat mir einfach gegraust. Bei der Schilderung von Männerschweiß,  Wichsvorlagen und Unterhosen mit Bremsspuren gibts einfach eine Grenze des Erträglichen, und die war erreicht. Aber dann hab ich doch weitergelesen. Und, was soll ich sagen, ist ja eh noch gut ausgegangen, das mit dem Buch. Weiterlesen

Tim Krohn: Aus dem Leben einer Matratze bester Machart

Ein schmales, unauffälliges Bändchen. Das Coverbild im weißen Diogenes-Design eher naja, eine blaue Matratzenoberfläche mit Rosenmuster. So ein Stoffmuster, das einem beim Stöbern auf dem Flohmarkt auffällt wegen seiner Kuriosität, das man aber dann doch nicht nimmt, weil es einen Hauch zu daneben ist. Weiterlesen

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit. Oder warum eine Buchhändlerin Rezensionsexemplare liest.

Kleine Buchhandlung, Spätwintertag, gegen Abend. Die ruhige halbe Stunde, bevor kurz vor Ladenschluss die hektischen LetztminutenkundInnen hereinstürmen. Ein sympathischer, gutaussehender Mann tritt ein, und fragt nach dem neuen Buch, das gestern in der bekannten deutschen Literatursendung besprochen wurde, die ich natürlich nicht gesehen habe. Es wurde nicht nur rezensiert, sondern hymnisch gelobt, sagt er. Peinliches Suchen nach dem Buch, wir haben es nicht bestellt, da eine Kollegin dem Autor gewisse Ressentiments entgegenbringt. Weiterlesen

Glücklich, vielleicht von Katherine Heiny

Buch fertig gelesen. Wieder Kurzgeschichten (ich beginne hier ein Muster zu vermuten…). Wieder von einer Frau. Wieder super.

In Katherine Heinys Geschichtensammlung geht es hauptsächlich um Affären in allen möglichen Konstellationen. Maja zum Beispiel begleiten wir in mehreren Episoden durch ihre Verlobungszeit. Es scheint sich für sie einfach nicht auszuschließen, ihren Verlobten zu lieben und mit ihrem Chef zu schlafen. Weiterlesen

A.L. Kennedy – Der letzte Schrei

Auf dieses Buch habe ich mich wahnsinnig gefreut, weil ich Kennedys Romane sehr gerne gelesen hab. Also bin ich froh, zum Beispiel, und Gleißendes Glück. Sehr besondere Liebesgeschichten erzählt sie in diesen Büchern, und ich war jedes Mal gefesselt und berückt. Die Kurzgeschichten find ich schön, aber leider nicht ganz so super. Auch hier geht es um besondere, merkwürdige Liebesgeschichten.  Einige davon haben leider etwas Schematisches – die Leserin wird lange im Unklaren gelassen, was die Figuren umtreibt, denen sie bei Handlungen und Gedanken folgt, die oft sehr schwer einordenbar sind – oft erst im letzten Satz wird aufgelöst, was zu diesen Gefühlslagen geführt hat. Weiterlesen