Geld oder Liebe – Cynthia D’Aprix Sweeney: Das Nest

Und wieder einmal ist es eine Mutter, die zwar nur in kleinen Szenen auftritt, aber alle Fäden in der Hand hält und an der Wurzel der Ereignisse sitzt. Eine mangelhafte Mutter, die ihre Kinder nicht genug lieben konnte. Den kleinen und großen Nachwirkungen davon spürt Cynthia D’Aprix Sweeney in ihrem Debütroman nach. Weiterlesen

Flachgelegt in sieben Stunden

Ich hab überlegt, ob ich zu diesem Buch überhaupt eine Rezension schreiben soll. Eigentlich, denk ich mir, lohnt sich das doch nur bei Büchern, die sehr gut sind, und die ich empfehlen will – oder bei solchen, die sehr viel diskutiert werden: Da möcht ich dann auch meinen Senf dazu geben. In dem Fall trifft beides nicht zu. Aber an dem Buch hat mich ziemlich viel irritiert, und das würde ich gern mit euch teilen. Weiterlesen

Wie dann alles doch noch gut ausgegangen ist, oder: Ein Buch zu Ende lesen

OK, es war ein bisschen böse, was ich da auf Instagram gepostet hab. Aber nach der Lektüre der ersten hundert Seiten hat mir einfach gegraust. Bei der Schilderung von Männerschweiß,  Wichsvorlagen und Unterhosen mit Bremsspuren gibts einfach eine Grenze des Erträglichen, und die war erreicht. Aber dann hab ich doch weitergelesen. Und, was soll ich sagen, ist ja eh noch gut ausgegangen, das mit dem Buch. Weiterlesen

Tim Krohn: Aus dem Leben einer Matratze bester Machart

Ein schmales, unauffälliges Bändchen. Das Coverbild im weißen Diogenes-Design eher naja, eine blaue Matratzenoberfläche mit Rosenmuster. So ein Stoffmuster, das einem beim Stöbern auf dem Flohmarkt auffällt wegen seiner Kuriosität, das man aber dann doch nicht nimmt, weil es einen Hauch zu daneben ist. Weiterlesen

Glücklich, vielleicht von Katherine Heiny

Buch fertig gelesen. Wieder Kurzgeschichten (ich beginne hier ein Muster zu vermuten…). Wieder von einer Frau. Wieder super.

In Katherine Heinys Geschichtensammlung geht es hauptsächlich um Affären in allen möglichen Konstellationen. Maja zum Beispiel begleiten wir in mehreren Episoden durch ihre Verlobungszeit. Es scheint sich für sie einfach nicht auszuschließen, ihren Verlobten zu lieben und mit ihrem Chef zu schlafen. Weiterlesen

Der Rund um die Uhr-Buchladen

P1030042_penumbra

„All the secrets in the world worth knowing are hiding in plain sight.“

Wieder ein Buch über eine süße, verstaubte, alte Buchhandlung! Das denke ich mir beim Lesen des Titels und der ersten paar Seiten. Aber. Dann wird bald klar, dass es sich hier nicht um eine der derzeit massenhaft verlegten Titel über die Liebe zu kleinen feinen Buchhandungen ist. Ich muss vorausschicken, dass ich kleine, feine, verstaubte Buchhandlungen liebe. Aber die Bücher über sie sind oft bestenfalls nett, wenn nicht schematisch (Etwa so: Engagierte Person schafft es, eine kleine Buchhandlung vor dem Konkurs zu retten, dank idiosynkratischer, kreativer Einfälle und sagenhaft liebenswert verschrobener Helferlein und/oder Kundencommunity). Weiterlesen

Neugierig auf Mumin-Land

tovejansson_fairplay

Ich bin ja immer sehr neugierig. Wenn KundInnen ihre Bestellungen abholen, schau ich sie mir ungeniert an und überfliege den Rückentext. (Könnte das vielleicht der Grund sein, warum Shades of Grey bei uns im Regal verstaubt? Hm…) Im Idealfall ergibt sich dann ein Gespräch, in dem sie mir erzählen, warum sie dieses Buch lesen oder herschenken wollen. So war es auch bei diesem Buch.

Tove Jansson hat die Mumins erfunden, und ihre Geschichten aufgeschrieben und gezeichnet. Eigentlich ist es nicht sehr erstaunlich, dass sie auch „Erwachsenenbücher“ geschrieben hat, aber es hat diese Kundin gebraucht, um mich mit der Nase drauf zu stoßen. Die Kundin ist eine wilde und gscheite Frau, und nachdem sie ein paar Tage später gleich das nächste Buch von Tove Jansson bestellt hat, war’s für mich klar, dass das Buch etwas für mich ist.

Das schmale Bändchen besteht aus vielen kurzen Geschichten, die nur insofern zusammenhängen, als sie das Zusammenleben zweier Künstlerinnen beschreiben. Mari und Jonna bewohnen zwei Mansardenwohnungen, durch einen Dachboden verbunden. Sie verbringen den Sommer auf einer wasserlosen Schäreninsel, reisen durch Amerika, schauen Western und bauen Bücherregale.

Aber eigentlich geht es um Fair Play: Das künstlerische Schaffen der anderen zu respektieren und zu fördern. So zusammen zu leben, dass jede ihren Raum hat. Ist es auch eine Liebesgeschichte? Das bleibt offen. Jedenfalls ist es eine Lebensgemeinschaft, die es beiden ermöglicht, das einsame Dasein als Künstlerin ohne Familie zu meistern. Ideen wie Gemeinschaft, Rücksicht, Treue werden nicht beschrieben, sondern gezeigt. Auch wenn einem dabei teilweise das Herz stehen bleibt, weil Jansson vor allem auch das komplizierte Ringen und Austarieren beschreibt, das die Verwirklichung dieser Ideen voraussetzt.

Tove Jansson schreibt wie eine Illustratorin. Sie schildert keine inneren Zustände der Figuren, sie beschreibt, was sie tun und sagen, höchstens wie sie dreinblicken. Das wirkt karg und spröde, und schafft eine Atmosphäre der Zurückhaltung. Der vorsichtige, behutsame Umgang Maris mit der wesentlich temperamentvolleren Jonna wirkt manchmal wie eine Art Unterlegenheit oder Aufopferung. Aber nicht nur die letzte Geschichte zeigt, dass das Verhältnis der beiden reziprok ist. Fair Play eben.

Tove Jansson: Fair Play. Stuttgart: Urachhaus 2014.